Es richtig machen wollen

Freedom

Immer wollen wir alles richtig machen. Mir scheint es typisch deutsch oder westeuropäisch, wie wir uns jetzt selbst bashen und überall gute Ratschläge verteilt werden. Die Onlineworkshops sprießen nur so aus dem Boden. Jeder melkt das Thema für sich als gäbs kein morgen. Dabei ist doch nichts wirklich neu. Die Erde leidet immer noch unter den gleichen Umständen – Klimawandel, Menschen- und Tierverachtung. Wir verachten uns in unserer Menschlichkeit. In unseren Gefühlen in unseren Ängsten. Hier und da bekommt man noch den Tipp sich seiner Angst zu stellen, sie bewusst wahrzunehmen. Mir scheint das wieder nur  ein weiterer Weg der Kontrolle der eigenen wahrhaftigen Gefühlen zu sein.

Ja, es gibt etwas Seelenhaftes in uns und wir können uns damit verbinden durch Meditation, Yoga oder im Gebet, aber mir scheint es oft so als würde durch diese vielen Abgehobenen Ratschläge ein bisschen die Bodenständigkeit und der Bezug zur Realität verloren gehen. Ich habe beobachtet, dass es mir in letzter Zeit immer wieder gut ging und dann weniger gut. Nur was sich ständig bemerkbar macht, obwohl sich mein Alltag durch meine selbstständige Arbeit nicht drastisch ändert ist diese Einfachheit. Wie hab ich sie vermisst.

So Viel passiert nur im Kopf und wir können uns gar nicht mehr auf die alltägliche Schönheit des Lebens einlassen. Mir scheint als sprießen gerade überall die Blumen und Menschen entdecken wieder ihre Akzeptanz des Lebens. Das Leben ist bunt und nicht immer ganz leicht, aber wir können es einfach sein lassen, denn dann kommt es zu uns. Die Gefühle kommen in den Fluss. Sie nicht zu schämen für alles was ist, ist vielleicht ein guter Anfang. Wir versuchen es zu verhindern, zu kontrollieren, aber eine Flut ist nicht aufzuhalten. Wir müssen nichts mehr als Menschen. Wir MÜSSEN nicht nach vorne, wir MÜSSEN nicht unser BESTES geben, es reicht, wenn jeder seinen individuellen, freien und kreativen Beitrag leistet, um die Welt ein Stück vor dem Untergang zu bewahren.

Kommen wir bei uns an, kommen wir bei unserer wahren Natur an. Eine die verbunden ist und lebendig. Sich nicht vor Angst oder Schmerz fürchtet, sondern diesen annimmt als Teil des Lebens. Und wir uns selbst annehmen als Teil des Ganzen und damit auch annehmen können, dass unser schädliches Verhalten der Umwelt gegenüber nicht ohne weitere Folgen bleiben wird.  Ich habe Angst, nicht davor krank zu werden, sondern dass wir aus der Situation nicht die richtigen Schlüsse ziehen. Diese Krise bloß als eine Art Spiel sehen, dass es zu überwinden gilt und nicht erkennen, dass der Planet bereits krank ist. Im Wort wörtlichen Sinne.

 

 

Bild: FREEDOM, Linoldruck/ Mischtechnik, 2018

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